Kardiologie Basel
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Forschungsschwerpunkte

Die Herzinsuffizienz ist der Forschungsschwerpunkt der Kardiologie des Universitätsspitals Basel. Entsprechend sind die meisten Mitarbeiter unserer Abteilung in irgend einer Form an die klinische Forschung zum Thema Herzinsuffizienz beteiligt. Insbesondere die TIME-CHF Studie erfordert einen grossen Aufwand unserer Abteilung.

Trial of Intensified vs standard Medical therapy in Elderly patients with Congestive Heart Failure (TIME-CHF) – a prospective randomised controlled multicentre trial

Es handelt sich um eine Studie, welche unter der Leitung der Kardiologie des Universitätsspitals Basel an insgesamt 13 Spitäler in der Schweiz und 2 in Deutschland durchgeführt wird. An folgenden Spitälern wurden bereits Patienten eingeschlossen: Basel, St.Gallen, Liestal, Luzern, Aarau, Wolhusen, Bruderholz, Sursee, Lörrach (D), Baden, Stuttgart (D), Chur, Clara-Spital Basel (noch keine Patienten eingeschlossen Inselspital Bern, Solothurn). Der Haupt-Prüfarzt ist Prof.Dr. M. Pfisterer, der Studien-Leiter PD Dr. H.P. Brunner

1. Hintergrund

Die Häufigkeit der Herzinsuffizienz hat in den letzten Jahren, vor allem im Alter, stetig zugenommen; ca. 1.5% der gesamten Bevölkerung sind davon betroffen. Das Überleben dieser Patienten konnte zwar verbessert werden, doch sind Mortalität und Morbidität nach wie vor unakzeptabel hoch. Zudem sind die Kosten, welche verursacht werden, immens. Die Herzinsuffizienz ist deshalb eines der ganz grossen Probleme des Gesundheitswesens in westlichen Ländern geworden.

In den letzten 10 Jahren wurden zahlreiche Multizenter-Studien durchgeführt, um die Therapie der Herzinsuffizienz zu verbessern. Die Therapie-Empfehlungen basieren auf den Resultaten dieser Studien. Allerdings wurden in diesen Studien ältere Patienten wegen der Co-Morbidität meist ausgeschlossen. Zudem ist bei älteren Patienten eine diastolische Funktionsstörung des linken Ventrikels ebenso häufig Ursache der Herzinsuffizienz. Demzufolge ist es unklar, ob diese Empfehlungen tatsächlich auch für ältere Patienten optimal sind. Zudem dürfte die Lebensqualität bei älteren Patienten gegenüber reiner Lebensverlängerung eine andere Bedeutung haben als bei jungen Patienten. Schliesslich ist die Kosten effektive Behandlung wichtig und deren Bedeutung wird in Zukunft deutlich zunehmen. Es soll deshalb untersucht werden, ob ältere Patienten (>75 Jahre) von einer intensiven medikamentösen Therapie profitieren. Da bei älteren Patienten die Symptome oft unspezifisch sind und die Mobilität eingeschränkt ist, werden die Plasma-Spiegel vom N-terminalen BNP (NT-BNP) zur Steuerung der intensivierten Therapie verwendet. Es wurde gezeigt, dass das NT-BNP mit Schweregrad und Prognose der Herzinsuffizienz gut korreliert.

2. Ziel der Studie

Es wird untersucht, ob eine intensivierte, NT-BNP gesteuerte Therapie einer Symptom gesteuerten Therapie bei Patienten >=75 Jahre im Vergleich mit etwas jüngeren Patienten (60-75 Jahre) überlegen ist. Weiter wird untersucht, ob ein solches Therapieschema bei älteren Patienten durchführbar ist und ob dies auf die systolische wie auch die diastolische Dysfunktion des linken Ventrikels zutrifft. Der primäre Endpunkt der Studie ist die Lebensqualität nach 18 Monaten und die Rate von Tod und Hospitalisation (unabhängig der Gründe). Zahlreiche sekundäre Endpunkte werden untersucht (u.a. Untergruppen des primären Endpunktes, Verlauf der kardialen Funktion, echokardiographisch bestimmt). Ein weiteres, zentrales Ziel ist die Erfassung der gesamten Kosten, Prädiktoren dieser Kosten, der Gebrauch von Einrichtungen des Gesundheitswesens, soziale Folgekosten und Selbstständigkeit, etc.

3. Methodik

Die Patienten werden randomisiert einer von 2 Gruppen zugeteilt (NT-BNP gesteuerte vs. Symptom gesteuerte Therapiegruppe). Die Studie wird in 2 Substudien durchgeführt, wobei die eine Patienten mit systolische Dysfunktion (LV EF<45%), die andere Patienten mit diastolischer Dysfunktion (LV EF>=45%) einschliesst. Weiter werden die Patienten nach Alter unterteilt (60-75 vs >=75 Jahre). Es werden nur symptomatische Patienten mit erhöhtem NT-BNP eingeschlossen. Instabile Patienten, solche mit schwerer Niereninsuffizienz oder einer andern Erkrankung, welche die Herzinsuffizienz zu einem nebensächlichen Problem macht, werden ausgeschlossen. Ziel ist es, insgesamt 820 Patienten in alle Gruppen einzuschliessen.

Nach den Untersuchungen beim Einschluss in die Studie werden die Patienten im Zentrum nach 1, 3, 6, 12 und 18 Monaten untersucht. Die ersten 3 Visiten dienen primär der Anpassung der Therapie, bei den letzten beiden werden in erster Linie die Endpunkte gemessen. Die Tabelle gibt einen Überblick über die geplanten Untersuchungen. Die Visiten bei Studieneinschluss sowie nach 12 und 18 Monaten müssen zwingend an einem Studienzentrum durchgeführt werden.

  Baseline Monat 1 Monat 3 Monat 6 Monat 12 Monat 18
Klinische Untersuchung (vgl. Beilage) X X X X X X
NT-BNP, Kreatinin, Kalium X X X X X X
Echokardiographie (Auswertung zentral in Basel) X       X X
6-minute walking test X       X X
EKG X       X X
Fragebogen zu Lebensqualität X       X X
Therapieanpassung X X X X X  
Kostenerfassung X X X X X X

4. Zeitplan

Anfang 2003 wurde die Studie gestartet Bis Ende 2004 wurden ca. 300 Patienten in die Studie eingeschlossen. Es ist geplant, alle Patienten bis im Herbst 2006 in die Studie einzuschliessen. Die Patienten werden dann für 18 Monate nachverfolgt. Entsprechend sollte die Studie bis Frühling 2008 abgeschlossen werden können.

Kardiologie, Bereich Medizin, Universitätsspital Basel – Petersgraben 4, CH-4031 Basel